Die neue Kraftwerksstrategie der Bundesregierung erklärt)

Deutschland befindet sich mitten in einer der größten Transformationen seiner Energiegeschichte. Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix steigt weiter an – doch mit dem wachsenden Anteil volatiler Erzeugung wächst auch der Bedarf an gesicherter Leistung, die in Zeiten von Dunkelflauten und hoher Residuallast einspringen kann.

Um diese Systemstabilität langfristig sicherzustellen, hat die Bundesregierung die neue Kraftwerksstrategie vorgestellt. Was ursprünglich als Ausbauziel von 20 GW neuer Gaskraftwerke angekündigt wurde, wurde mehrfach angepasst. Heute stehen nach Abstimmungen mit der EU-Kommission noch 12 GW neue Kapazitäten im Raum, die in den kommenden Jahren ausgeschrieben werden sollen.

Doch was genau plant die Bundesregierung? Wie realistisch ist die Umsetzung? Und welche Konsequenzen hat das für Unternehmen, Stadtwerke und das Energiesystem?

Was steckt hinter der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung?

Die Kraftwerksstrategie ist ein zentraler Baustein der deutschen Energiewende. Sie soll dafür sorgen, dass genug flexible, steuerbare Leistung im System verfügbar bleibt, wenn Wind und Sonne nicht ausreichen. Diese Kapazitäten sollen langfristig aus wasserstofffähigen („H2-ready“) Gaskraftwerken, modernen Speichern und anderen innovativen Technologien bestehen.

Die Strategie ist politisch jung – aber energiepolitisch längst überfällig.

Wie es zur Kraftwerksstrategie kam

2021

Im Koalitionsvertrag der Ampelregierung wird der Bedarf an neuer, flexibler Kraftwerkskapazitäten beschrieben.

2022

Die Energiekrise macht die geopolitischen Abhängigkeiten und den Mangel an Flexibilitätsoptionen sichtbar.

2023

Die Ausarbeitung der Strategie beginnt.

2024

Das Kraftwerkssicherheitsgesetz (KWSG) wird veröffentlicht:
→ 12,5 GW H2-ready Kraftwerke
→ 500 MW Langzeitspeicher

2025

2025 wurde das Projekt an die neue Regierung übergeben. Diese hat in ihrem Koalitionsvertrag 20 GW Gaskraftwerke (zuerst ohne „H2-ready“) festgelegt. Nach erneuten Abstimmungen mit der EU-Kommission wurde das Vorhaben allerdings auf 12 MW gekürzt. 

Warum Deutschland mehr Kapazitäten braucht

Der deutsche Energiemarkt steht vor gleich mehreren Herausforderungen:

  • Rückbau der Kohlekraftwerke
  • steigende Stromnachfrage durch Wärmepumpen, Industrie & E-Mobilität
  • zunehmende Volatilität durch Wind & PV
  • fehlende Flexibilität im System

Neue flexible Kapazitäten sollen diese Lücke schließen und die Versorgungssicherheit in Zeiten von Dunkelflauten gewährleisten.

Was genau geplant ist: Die drei Kategorien der neuen Kapazitäten

In den Jahren 2026/27 sollen insgesamt 12 GW neue steuerbare Kapazitäten ausgeschrieben werden. Diese gliedern sich in drei Gruppen:

1) 8 GW Gaskraftwerke mit mindestens 10 Stunden Laufzeit

Diese Kraftwerke müssen lange Laufzeiten bereitstellen können. Das ist nur mit konventionellen Gaskraftwerken möglich. Diese sollen jedoch H2-ready gebaut werden.
→ Batteriespeicher sind hier kaum konkurrenzfähig (zu kurze Zyklen).

2) 2 GW technologieoffene Kapazitäten

Hier können neben Kraftwerken auch Speicher teilnehmen – etwa große Batteriesysteme oder neue Flex-Technologien. Entscheidend wird sein, wie offen die Vergabekriterien tatsächlich sind.

3) 2 GW wasserstofffähige Sprinterkraftwerke

Diese Kraftwerke sollen bis 2032 in Betrieb gehen und frühzeitig verpflichtend Wasserstoff nutzen. Sie erhalten nicht nur Investitionszuschüsse, sondern auch Betriebskostenförderung.

Regionale Verteilung: Warum besonders Süddeutschland profitieren soll

Im Koalitionspapier wird der Süden Deutschlands priorisiert – inklusive des „netztechnischen Südens“ (z. B. NRW). Gründe:

  • Hoher Stromverbrauch durch Industrie
  • Weniger Windenergie
  • Hohe Redispatch-Kosten
  • Netzengpässe

Neue Gaskraftwerke im Süden sollen Netzstabilität erhöhen und Kosten reduzieren.
Doch ostdeutsche Bundesländer befürchten, zu kurz zu kommen.

Subventionen & Marktmechanismus: Wie die Kraftwerksstrategie finanziert werden soll

Die Bundesregierung setzt auf ein zweistufiges Fördersystem:

  1. Investitionszuschüsse:

Für den Bau neuer H2-ready Gaskraftwerke und Speicher. Die Zuschüsse sollen dafür sorgen, dass der Kapazitätsbau beschleunigt wird und Investitionsrisiken sinken.

2. Kapazitätsmarkt:

Kraftwerke erhalten Zahlungen dafür, dass sie als Reserve bereitstehen, auch wenn sie keinen Strom produzieren.

Doch es gibt Kritik:
Unternehmen wie 1Komma5° oder Green Planet Energy sehen Wettbewerbsverzerrungen und potenzielle EU-Beihilfeprobleme.

Offene Fragen der Kraftwerksstrategie – und sie sind entscheidend

Wie laufen die Ausschreibungen ab?

Derzeit ist unklar, nach welchen Kriterien die Vergabe erfolgt und wie technologieoffen die Verfahren tatsächlich gestaltet werden. 

Welche Mindestgrößen gelten?

Noch ist ungewiss, ob kleinere und dezentrale Anlagen realistische Chancen haben. 

Was bedeutet „H2-ready“ konkret?

Bislang fehlt eine eindeutige, verbindliche Definition, die festlegt, welche technologischen Anforderungen erfüllt sein müssen.

Was bedeutet H2-ready bei Gaskraftwerken?

H2-ready bei Gaskraftwerken sind Anlagen, die:

  • heute mit Erdgas betrieben werden
  • zukünftig technisch auf 100 % Wasserstoff umgerüstet werden sollen
  • aber aktuell ohne einheitlich gesetzliche Definition geplant werden

Für Investoren ist das ein zentrales Risiko.

Wann und zu welchen Preisen gibt es Wasserstoff?

Da ein Großteil der Anlagen in Zukunft mit Wasserstoff betrieben werden sollen, stellt sich die Frage, wann und zu welchen Preisen Wasserstoff ausreichend zur Verfügung steht. 

Fazit: Die Kraftwerksstrategie darf kein Rückfall in alte Strukturen sein

Die Kraftwerksstrategie entscheidet darüber, wie Deutschland künftig gesicherte Leistung organisiert – und damit über Kosten, Systemstabilität und Klimaneutralität.

Damit sie gelingt, müssen technologieoffene, wirtschaftliche und klimafreundliche Lösungen priorisiert werden – nicht nur klassische Gaskraftwerke.

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FAQ: Häufige Fragen zur Kraftwerksstrategie
Welche neuen Kapazität ist in Deutschland geplant?

Die Bundesregierung plant die Ausschreibung von 12 GW neuer Kapazitäten. Davon sind 8 GW H2-ready Gaskraftwerke, 2 GW technologieoffen und 2 GW wasserstofffähige Sprinterkraftwerke.

Ab wann sollen die Kraftwerke gebaut werden?

Die Ausschreibungen sollen 2026 starten, Inbetriebnahme bis spätestens 2031/32.

Welche Technologien sind zugelassen?

H2-ready Gaskraftwerke, Speicher, innovative Flex-Lösungen (je nach Kategorie).

Profitieren auch kleinere Anlagen?

Derzeit noch unklar – Mindestgrößen sind nicht definiert.